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Novemberpech: Dipavali und die Zahn-Story
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6. Dezember 2007
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Jemand hat mir einmal erzählt, dass der November für die Kreolen ein Unglücksmonat ist. Es ist der Monat der Toten und der Geister, und es gibt Leute die im November abends nicht ausgehen und auch keine Feste feiern, aus Angst, so den Zorn der verstorbenen Seelen auf sich zu ziehen.
Bei mir war die Akkulturation in dieser Hinsicht wohl schon ziemlich gut vorangeschritten...
Am Freitag, dem 7.11. waren wir morgens wieder Surfen in St. Gilles. Nachmittags sind Judith, ZsuZsu und ich mit dem Bus nach St. Pierre zu nem Reggae-Konzert gefahren. Mussten einen Bus später nehmen weil der erste zu voll war, waren dann erst gegen halb 9 abends dort und sind im Dunkeln Richtung Konzerthalle (Bato Fou) gelaufen. Die anderen (Ina, Tina, Fatma, Yolanda, Anne, Eva und Freundin) waren schon mit dem Auto vorausgefahren und hatten in Le Tampon schon die Zelte aufgestellt. Das ganze war bisschen schlecht organisiert, und wir Busfahrer frustriert weil wir einfach platt waren von der Fahrt.
Aber das Konzert war schön, und der Sternenhimmel über Le Tampon einfach wunderbar.
Trotzdem war die Stimmung morgens beim Frühstück immernoch irgendwie getrübt, und Judith und ich haben beschlossen nicht wie die anderen noch im Süden zu bleiben und Abends direkt nach St. André zu fahren, sondern nochmal zu Hause auszuruhen und zu duschen, da wir ja dann doch keinen Platz im Auto hatten wie anfangs geplant.
Abends haben wir uns in St. André auf Dipavali, dem hinduistischen Lichterfest, wiedergetroffen.
Dipavali, das in Indien und auf Mauritius auch Divali/Diwali genannt wird, ist ein wichtiges hinduistisches Fest, in seiner spirituellen und sozialen Bedeutung mit Weihnachten vergleichbar. Das Feste dauert ca. Fünf Tage, was aber regional unterschiedlich ist.
„Für viele Hindus, besonders in Nordindien, geht es auf den Tag zurück, an dem Gott Rama mit seiner Frau Sita und seinem Bruder Lakshmana nach 14-jährigem Exil im Dschungel in seine Hauptstadt Ayodhya zurückkehrte, so wie es das Ramayana beschreibt. Da es dunkel war, entzündeten die Menschen Öllampen entlang seines Wegs.
Im Süden Indiens dagegen sehen die Menschen in Diwali einen Bezug zu Krishna, der einen Dämonen besiegt und sechzehntausend Frauen befreit hatte, die sich in der Gefangenschaft des Dämons befanden.“ (Wikipedia)
Der Umzug war schön, die Kostüme wunderbar. Alles war bunt und hat geleuchtet und geglänzt...
Leider war unsere Grundstimmung immernoch total mies vom Vortag, und zu allem Überfluss habe ich dann auch noch mein Handy verloren.
Ich muss einfach mehr schlafen. Das hat sich später noch ein paar mal gezeigt...
Am folgenden Dienstag habe ich mit Ina nen Ausflug zur Anse des Cascades gemacht, dort gibt es einen großen Picknickplatz und einen kleinen Wanderweg entlang der Steilküste durch den Wald, wo man wenn man Glück hat sogar Chamäleons sehen kann. Haben leider nur drei plattgefahrene gesehen, lebende nicht. Aber dafür ein paar Echsen, und wir haben die wahnsinnige Kulisse der Steilküste genossen. War wirklich schön.
Flurin hat mich abends überredet mit ihm und Miguel in Boucan Canot am nächsten Tag Surfen zu gehen, mit Miguels Brett, er wollte das von Prildis, einer der Isländerinnen ausleihen.
Eigentlich wollte ich mal ausschlafen und mich um ein neues Handy kümmern, aber so eine Einladung kann man ja schwer „ausschlagen“. (Man beachte die Wortwahl bezüglich dem folgenden Text)
Morgens um 6h gings mit dem Auto, den Jungs und drei Brettern los in Richtung Trois Bassins (in Boucan gabs keine Wellen, welch Ironie), waren auch ca. Um 7h schon dort. Flurin ist natürlich gleich ins Wasser losgestürmt, Miguel hinterher. Ich dann auch. Aber die Wellen waren viel zu hoch für mich, und dann musste ich mich auch erst mal auf dem ungewohnten und größeren Brett zurechtfinden. Zweimal habe ich versucht ne Welle zu nehmen, den Rest der ca. 1h habe ich damit verbracht durch die bereits seit ein paar Metern gebrochenen Wellen halbwegs heil durchzukommen. Ich fand eigentlich dass ich lange durchgehalten habe und nicht den Mut verloren. Aber die Wellen waren einfach trotzdem zu krass, das hatte keinen Sinn. Was sich dann auch schnell zeigte, als mir das Brett nach einem weiteren Unterwasser-Schleudergang aus Richtung Meer direkt auf die Zähne geschwommen kam. Der Aufprall war eigentlich nicht so schlimm, ich bin erst richtig erschrocken als ich die Zahnsplitter im Mund gespürt habe.
Verdammt! Jetzt nur so schnell wie möglich aus diesem verfluchten Wasser raus und in den nächsten Spiegel gucken...
Als ich es endlich bis ans Ufer geschafft hatte (diesmal hat mich die Welle mitgenommen und bis ins Flache Wasser getragen) hatte ich mir schon ausgemalt was das alles kosten würde und dass ich dafür ja dann „glücklicherweise“ mein gerade erhaltenes Erasmusgeld verwenden könnte...
Als ich in den Spiegel sah, war ich doch ein wenig erleichtert. Ich hatte gedacht ich hätte mindestens die Hälfte meiner beiden vorderen Schneidezähne verloren, aber es waren zum Glück nur ca, 1,5 mm jeweils. Hínten war allerdings mehr abgebrochen, und es tat weh. Aber kein Blut, und die Zähne haben auch nicht gewackelt. Nur blöd dass ich gerade auch noch mein Hnady verloren hatte! Naja, da ich erstmal sowieso nicht genau wusste was jetzt tun und auf die Jungs warten musste, habe ich mich auf mein Handtuch in die Sonne gelegt. Und in den Spiegel geguckt. Zum Glück hatte ich den dabei, sonst wäre ich echt verzweifelt bei dem Gedanken dass die Hälfte der Zähne futsch ist.
Dann bin ich mit dem Bus zurück, Miguel ist mitgefahren weil er Klausur schreiben musste.
Habe dann versucht ne Zahnarztadresse zu finden, das habe ich auch, sogar mit Wegbeschreibung.
Am Donnerstag habe ich mich dann auf die Suche gemacht. Leider hatte Stéphanie mir den Weg zwar richtig erklärt, aber die Haltestelle hieß anders, und so dachte ich es wäre doch ne andere Buslinie. Bin also wieder zurückgefahren und dann umgestiegen in den Bus, der zum „Bois de Nèfles“ fuhr. Der Zahnarzt war nämlich in der „Route du Bois de Nèfles“. Leider hat der Busfahrer das nicht kapiert und hat mich natürlich bis zur Endhaltestelle („Bois de Nèfles“) gefahren. Ich hab ihn dann nochmal gefragt, und er hat irgendwas erzählt von weiter rechts, hat mich dann auf dem Rückweg eine Haltestelle später wieder rausgelassen und mir den Weg „erklärt“. Der war aber natürlich falsch, ich war ja ganz oben auf dem Berg, und der Zahnarzt ist unten in Ste. Clotilde!!! Mann, und natürlich hatte er vorher noch versucht mich zum Essen einzuladen oder sich zumindest mit mir zum Kino zu verabreden!
Hallo??? Ich hab abgebrochene Zähne und fahre planlos in der Gegend rum, auf der verzweifelten Suche nach nem Zahnarzt!!!
Auf dem Rückweg habe ich dann sogar einen anderen gefunden, der wollte mich dann aber am gleichen Tag nicht mehr nehmen. Klar, es war ja auch schon kurz vor 11. Ich habe dann beschlossen wieder zur Uni zu fahren und nachmittags den anderen nochmal suchen zu gehen.
Den Weg hat mir dann unsere Erasmus-Fee Sophie nochmal erklärt und ich habe gemerkt dass ich morgens um 9 doch richtig gewesen wäre.
Ich wusste erst gar nicht ob ich richtig war, denn es gab weder ein Straßenschild noch, nachdem ich mich erkundigt hatte ob ich in der richtigen Straße bin, ein Schild oder zumindest einen Namen an der Hausnummer. Eine Nachbarin die gerade vorbeikam hat mir dann gesagt dass ich schon richtig sei, aber dass der Zahnarzt keine festen Öffnungszeiten habe. Am Vortag hatte er auf!!! Hätte ich das mal vorher gewusst...
Ich bin dann, wo ich schonmal fast in St. Denis war, noch in die Stadt gefahren und habe mir ein neues Handy zugelegt. Dann bin ich wieder zurückgefahren (übrigens nochimmer nicht ausgeschlafen), habe bei der Médecine Préventive nach Zahnarztadressen gefragt, und die Dame am Empfang hat mir auch zwei rausgesucht. Nur leider hieß es bei dem einen frühestens in zwei Wochen, und bei dem anderen, rufen Sie morgen nochmal an, vielleicht kommen Sie dann morgen dran. AAAAAAAAArrrrgh!
Zum Glück kam da gerade Stéphanie vorbei und hat sich nach meinen Zähnen erkundigt...Sie hat dann gesagt ich soll einfach nochmal zum DRI (Direction des Relations Internationales) gehen. Das habe ich gemacht, und Sylvie, die mir meine Verzweiflung schon angesehen hat, hat dann nochmal nen Zahnarzt angerufen und mich noch als Notfall in die Sprechstunde reinbekommen. Das war um halb 5. Ich habe mich dann gleich auf den diesmal perfekt erklärten 15-minütigen Fußweg gemacht. Um 18h kam ich dann dran und war nur froh als ich wieder normale Zähne hatte. Die Zahnärztin hat einfach die Ecken abgeschliffen. Jetzt muss ich eben noch abwarten bis sich der Zahnschmelz wieder aufbaut. Bezahlt habe ich auch nur 25 Euro, was für eine Erleichterung.
Abends musste ich mich über mich selber wundern: ich habe mich gefreut, klar, aber hauptsächlich weil ich jetzt doch am nächsten Tag wieder zum vorletzten Surfkurs gehen konnte! Ich hätte mir selber den Vogel zeigen können.
Das Surfen lief dann auch ganz gut, ich musste nur am Anfang meine Angst überwinden (die ich vor Mittwoch noch nie gehabt hatte). Wir wurden benotet, weil wir dafür 3 ECTS-Punkte anrechnen lassen können (Cool oder? Sollte man bei uns auch mal einführen).
Am Sonntag waren wir mit Jonathan bei Freunden in La Possession eingeladen, der Weg hin und zurück war mühsam und etwas unorganisiert mit dem Bus, aber das Mittagessen (natürlich Rougail Saucisses) und der kleine Gartenpool waren sehr angenehm...
Abends gabs Picknick auf dem Campus anlässlich Catrins Geburtstag.
Der Weg dorthin war mit Kakerlaken gesät, die langsam immer größer werden....
Die Woche danach habe ich mich hauptsächlich um die letzten Uni-Aufgaben gekümmert, am Samstag hatten wir noch ein Blockseminar mit den Chefredakteur des Mauricien, einer wichtigen Tageszeitung auf Mauritius. Am Freitag vorher habe ich nochmal mein neu erstandenes 15 €-Handy verloren, und zwar diesmal im Sand von La Saline.
Nach dem Seminar sind wir mit Gandary, Judith Zsuzsu nach Hermitage gefahren. Dort war ein Picknick von einer deutschen Vereinigung auf La Réunion geplant. Bis wir dort endlich ankamen wars halb 4, leider musste ich ne Stunde später schon wieder zum Bus. Judith und Zsuzsu sind dann später mit Gandary nach St. Pierre gefahren. Er macht hier auf der Insel Sprachassistenz in einer Schule und hat ne wunderschöne Wohnung mit Pool in St. Pierre...
Am Sonntag bin ich mit Katha, Sanni und Anne zur Cascade de Chaudron gelaufen. Haben uns zuerst ein wenig im Weg geirrt und sind zu weit die Straße nach oben gelaufen, haben dann aber den richtigen Weg gefunden. Nachmittags habe ich mich dann erstmal ausgeruht von meiner offensichtlichen Pechsträhne...meine Laune war immernoch nicht alle Stufen aus dem Keller herauf gekommen...
Übrigens gibt es hier Spanner! Habe nach ner Weile bemerkt dass gegenüber einer auf dem Balkon gestanden hat und mir die ganze Zeit zugeschaut hat, wie ich im Bett liege und mich bei nem Filmchen ausruhe! Und dann hat er auch noch blöd gewunken! Frechheit!
Also die Männer hier sind schon ein Fall für sich...
Ich freue mich schon wieder auf Deutschland, wenn ich nicht jedesmal den Blick senken muss wenn ein männliches Wesen an mir vorbeiläuft, nur um nicht mit anmachsprüchen verfolgt zu werden...Aber ab und zu ist es auch ganz witzig.
Seit einer Woche gibt es übrigens einen neuen Heimbewohner: Konrads Freundin hat eine Katze gefunden und mit nach Hause genommen, die ist schätzungsweise 4 Wochen alt und total süß... Die anderen im Hotel haben sie Piton des Neiges getauft, weil sie so weiß und wuschelig ist.
Aber jetzt suchen sie jemanden auf der Insel der den kleinen Kater aufnimmt, denn im Wohnheim sind ja keine Tiere erlaubt und Sandra hat außerdem eine Katzenallergie.
Am letzten Novembertag habe ich mir beim und nach dem Surfen noch nen richtig dicken Sonnenbrand geholt, weil ich einfach nicht daran gedacht habe mich nochmal einzucremen. Dazu kam dass mittags ausnahmsweise mal keine Wolken aufgezogen sind und der Himmel im blauesten Blau gestrahlt hat...
Ich sag ja, ich brauch mehr Schlaf.
Abends auf dem Weg zum Wailers-Konzert in St. Leu gabs dann noch nen Riesenstau der die halbe Insel lahmgelegt hat, sie haben aber extra später angefangen, und damit war dann meine Pechsträhne erstmal beendet....
Ich hoffe das bleibt jetzt so.
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